Werner Schmidbauer

Momentnsammler von Werner Schmidbauer und Martin Kälberer
gehört und aufgeschrieben: Michèle Kirner

Deutschland, das Land der Dichter und Denker oder Deutschland, das Land der Sammler. Auf diese scheinbar angeborene Sammelleidenschaft ist der Moderatoren und Musiker Werner Schmidbauer im Urlaub gestoßen, als einige Landsleute Muscheln klaubend an ihm vorbeizogen. Ein Schauspiel, das den Sänger erst zum Denken, dann zum Dichten brachte: Erst dachte er darüber nach, welche Sammelleidenschaft ihn trieb und dichtete schließlich über die Raritäten, die er sammelte: Nicht die Muscheln im Sand, nicht Geld und Ruhm und auch keine Punkte für die Versicherung, sondern Momente des Lebens.

"Momentnsammler" ist eine Sammlung von Kostbarkeiten geworden. Werner Schmidbauer und Martin Kälberer haben darin schöne, traurige und alltägliche Momente eingefangen, genial vertont und verdichtet und dem Hörer zugänglich gemacht. Schön ist der Gedanke an einen musikalischen Abend mit Freunden, der mit "An am Abend so wia heit" mehrstimmig Lust auf ein musikalisches Beisammensein weckt. Gitarre und Piano begleiten den Gesang und skizzieren mit einem Chor unterlegt das heitere Zusammensitzen: "An am Abend so wia heit geht kona hoam, und wer denkt heit abnd scho an morgn?".

Lieder kommen und gehen so wie die Momente, die besungen werden. Wunderschön "Das Lebn", in dem Werner Schmidbauer im Duett mit Pippo Pollina das Leben in eine Ansammlung von düsteren, hoffnungslosen; bunten und sonnenklaren; gnadenlosen und zärtlichen Augenblicken vereinen und übereinstimmend zum Schluss kommt: Das Leben ist wunderbar. Nicht jedem sind jedoch die wunderbaren Geschenke des Lebens zugänglich, sondern es verteilt die Lasten scheinbar wahllos, legt unvorstellbare Bürden auf zarte Kinderschultern: Die Ausläufer des Bürgerkriegs Ugandas treibt seine Landkinder nach wie vor jede Nacht zum Schlafen in die Stadt Gulu. Dort breiten sie Decken an Bushaltestellen und am Straßenrand aus, liegen aneinander gekuschelt und suchen Schutz vor den Killerhorden, die nachts durch ihre Dörfer ziehen und Minderjährige zwangsrekrutieren. Noch ein Krieg, der den Kindern dieser Welt die Kindheit raubt. Werner Schmidbauer hat das kölsche Lied des BAP Sängers Wolfgang Niedecken "Noh Gulu" ins Bayerische übersetzt und bittet in dem beiliegenden Booklet ganz unspektakulär um Spenden für das Projekt Rebound, das diesen Kindern Hilfe verspricht.

Während "Nach Gulu" nachdenklich stimmt, verbreitet "Herobn" das Gipfelglück nach einem langen Aufstieg. Den Blick himmelwärts gerichtet, unten das emsige Treiben im Tal hat sich für den Bergsteiger der Alltag kurzzeitig verzogen: "Und ois, wos i grad hern ko, is des Bumpern von meim Herz. I bin alloa, und i bin gern do". In "Weil Du gehst" verabschiedet sich Werner Schmidbauer von seiner demenzkranken Mutter, entlässt die Erinnerung an früher; betrauert in "Lass mi oamoi noch d'Sonn aufgehn seng?" den verstorbenen Georg Danzer und reflektiert über dem Glauben (I glaub), den jeder in seinem Herzen suchen sollte und nicht in Äußerlichkeiten. Das instrumentale Stück "Südhang" von Martin Kälberer kommt glockenklar aus den Lautsprechern. Glockenklar, weil die Stahltrommel "Hang" aus der Schweiz (berndeutsch für "Hand") wie eine Glocke über den Gitarrenakkorden schwebt und einen Hauch Exotik versprüht.
"Momentnsammler" ist ein hochwertiges Musikerlebnis mit tiefgründigen Texten, das noch lange nach Ende der CD nachklingt. Ein durchaus gelungenes Werk!