Kurzgeschichten
Unter die Lupe genommen von Michèle Kirner
Zuag'hört und aufg'schriem
Heitere Geschichten aus dem Landkreis Starnberg
Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben. Uli Singer hat in ihren heiteren Geschichten aus dem Landkreis Starnberg "Zuag'hört und aufg'schriem" aus dem Leben und gleichzeitig aus dem Vollen geschöpft. Mit Witz und Selbstironie nimmt sie sich und ihre Umwelt liebevoll auf den Arm und lässt uns an kleineren und größeren Missverständnissen, Unglücken und Geschichten teil haben, die beim Lesenden jede bewölkte Stimmung in strahlende Laune umschlagen lässt.
Wir Menschen folgen gewöhnlich gewissen Regeln, wenn wir ein Projekt angehen. So geben wir zum Beispiel beim Braten eines Koteletts erst die Butter in die Pfanne, dann die unter Tränen gehackte Zwiebel, das Stück Fleisch und schießen nach Bedarf einen Schuss Sahne nach - in genau dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt. Bei einem Buch, so würde man meinen, werden erst mit Worten Geschichten komponiert, dann gedruckt und schließlich den potentiellen Käufern mit einer Einladung zur Lesung mitgeteilt. Die Autorin Uli Singer hält nicht viel von Konventionen und zäumt das Pferd auch gerne mal von hinten auf. Uli Singer nämlich hat erst die Einladungen zur Lesung mit einem festgesetzten Datum und Uhrzeit verschickt und im gleichen Atemzug die Druckerei beauftragt. Begeisterte Zusagen überschwemmten die Autorin, die zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Wort geschrieben hatte.
Tatsächlich schafften es ihre gesammelten Geschichten termingerecht zwischen zwei Buchdeckel und so wurde die Geburt des kleinen Büchleins eine Anekdote für sich, denen Ihresgleichen Kapitel für Kapitel folgt. Es beginnt 1964 mit einem gepflegten Brand im Kloster Andechs, als der ehemalige Kreisrat Martin Schneider und der ehemalige Bürgermeister von Gilching Hans Krammer über einer Maß Bier das Ende einer langen Sitzung begießen. Ihre feuchtfröhliche Zweisamkeit endet jäh: Feuer! Ohne zögern geben die beiden Politiker ihr Projekt Durst-löschen auf und löschen stattdessen Kloster fressende Flammen. "Bei den Löschversuchen allerdings habe der Teufel die Hand im Spiel gehabt. Nichts funktionierte.", erzählt Martin Schneider. Erst kam kein Wasser und als mit dem Haupthahn endlich Wasser floss, leckte der Schlauch. Irgendwann sprudelte endlich das Wasser, woraufhin die Patres genaue Vorstellungen davon hatten, was der Wasserstrahl treffen sollte. Einer wollte kein Wasser an seiner Sudpfanne, damit der Bierausschank nicht unterbrochen werden musste, während der Paterlein vom Klosterladen seine Heiligenbilder von den Löschversuchen bedroht sah.
Ein anderer kirchlicher Bericht stammt aus der Gemeinde Seefeld, der vom Beichten erzählt und davon, warum den Gläubigen der Gang zum Beichtstuhl vergangen ist. Die Autorin treibt sich aber auch persönlich in ihren Geschichten herum. Sie besucht einen Faschingsball und langt mit der Wahl ihrer Verkleidung recht daneben, serviert ihrem Ex - aus Versehen natürlich - eine Tube Weißwurstsenf, welche er sich - auch aus Versehen - als Sonnenschutz auf die Haut schmiert oder schickt einen Fotografen zu einem Storch, der es in sich hat.
"Zuag'hört und aufg'schriem" ist nicht nur wunderbar leicht geschrieben, sondern auch von Roland v. Rebay und Wolfram Gum köstlich illustriert. Ein Lesevergnügen für alle, die unsere Welt gerne von der heiteren Seite betrachten.
111 heitere Seiten
Preis: 10 Euro + zwei Euro Porto und Verpackung
Erhältlich bei
sabina.singer@gmx.net
