Böses München
"Das böse München" -
geschrieben von Ponkie - mit einem Vorwort von Dieter Hildebrandt
Bissiger Humor trifft München
von Michèle Kirner
2008 lässt sich München zum 850ten Geburtstag kräftig feiern. Lobeshymnen prasseln auf den Jubilar nieder und es scheint fast, als könne diese Stadt kein Wässerchen trüben. Ilse Kümpfel-Schliekmann, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Ponkie, ging das auf die Nerven und sie schuf als Gegenmaßnahme ein Büchlein, in welchem sie dem Leser "Das böse München" vorführt. Wie gewohnt geizt Ponkie nicht mit bissigen Bemerkungen und würzt ihre Geschichten mit einer lebenslangen München-Erfahrung.
Ponkie sucht in ihren Zeilen die Bussi-Gesellschaft auf, der Sammelbegriff der "fließenden Übergänge zwischen Weißwurst- und Hummer-Kundschaft". Dort wird der Judaskuss ausgetauscht und großes Theater inszeniert - aber nur für diejenigen, deren Privatsphäre von der Klatschspalte ausgeplaudert wird. Für alle, die aus der Presse rausfliegen, fliegen auch die "Bussis" der feinen Gesellschaft raus. Zuagroaste (Zugereiste beziehungsweise nach Bayern Eingewanderte) und Amigos, die Schönen und die Reichen oder die Wölfe im Dackelpelz treten in den hier versammelten Schnappschüssen aus der Perspektive der Kultkolumnistin auf und erheitern die Gemüter.
Auch die Politik darf mitspielen. Da muss zum Beispiel Peter Gauweiler herhalten, dessen Versuch, München von "sozial-lästigen Personen" zu reinigen, die stadtkundige Autorin feinsäuberlich zu Papier gebracht hat. Anderswo kürt sie München zum Single-Paradies und verliert ein paar Worte zum Schönheitskult, der Alice Schwarzer trotzend die Münchnerinnen "jung-schön-schlank" diktiert. Aber auch den Wohnmöglichkeiten räumt Ponkie ein Plätzchen ein, hat ein Individuum in ihre Geschichten aufgenommen, das "sich zur neuen Hassfigur der Stadtoberen entwickelt hat: der sogenannte Mieter". Jener ist laut, unmoralisch, dumm und in der Regel faul. Ponkie entwirft kurzerhand den idealen Mieter: Sie wählen schwarz, murren nie, entleeren ihre Sünden regelmäßig im Beichtstuhl und sind mit gesicherten Renteneinkünften gesegnet. Skurrile Figuren mischen sich mit Kult-Sendungen wie "Kir-Royal" und bringen es fertig, dass in dem umjubelten München wieder Normalität einkehrt - denn München ist ohne Zweifel nicht böser als andere Städte, aber auch nicht freundlicher.
Passend fasst Dieter Hildebrandt in Worte, was auch Ponkie nicht schöner hätte formulieren können: "Ponkie erfüllt vor allem eine Aufgabe, die allen Kritikern gestellt werden muss: Sie setzt und bewahrt Maßstäbe." Tatsächlich setzt auch "Das böse München" Maßstäbe und spricht aus, was wir uns längst dachten und in erleichtertes Lachen ausbrechen: Ja, so ist unser München!
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